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Der Kommentar

Wien/Linz, am 6. Juli 2015
Worte und Taten

von Manfred Maurer

UNBESTRITTEN ist viel in Bewegung geraten in der Tschechischen Republik. Nach Brünn gedachte auch Prerau der Opfer, die vor 70 Jahren in dieser mittelmährischen Stadt ermordet wurden, weil sie Deutsche waren. Vielleicht kommt man sogar in Aussig noch darauf, daß es klug wäre, es den Brünnern und Prerauern gleichzutun. Allerdings: An der Elbe ist es noch schwieriger, sich glaubwürdig von den Nachkriegsverbrechern zu distanzieren. Denn dies setzte wohl voraus, die Brücke, von der Ende Juli 1945 die Unglücklichen in den Tod gestoßen wurden, umzubenennen. Die trägt nämlich den Namen des obersten Rädelsführers: Edvard Beneš.
WIE AUCH IMMER. Die Stimmung gegenüber den Sudetendeutschen in Tschechien hat sich entspannt. Das liegt zum einen sicher daran, daß auch in Tschechien der Einfluß der Erlebnisgeneration schwindet. Die Nachfahren der Täter können sich aus der Distanz der historischen Wahrheit leichter stellen und laufen dabei auch nicht Gefahr, sich selbst unangenehme Fragen nach dem eigenen Tun oder Unterlassen stellen zu müssen.
DIE ENTSPANNUNG ist aber sicher auch ein Verdienst der Sudetendeutschen Landsmannschaft. Das muß man bei aller Kritik, die Bernd Posselt & Co. in diesen Wochen entgegenschlägt, einräumen. Ihr konsequenter Kuschelkurs trägt insofern Früchte, als die Sudetendeutschen nicht mehr als sture Streitpartei wahrgenommen werden, die ihre Rechte nicht aufzugeben bereit ist, sondern als handzahme Versöh-nungspartner, die zwar weiter ein starkes emotionales Bedürfnis nach Anerkennung ihres Leidens haben, aber keine alten Rechnungen mehr aufmachen.
SO MAG MAN sie, die Sudetendeutschen. Die geben sich zufrieden mit ein paar gefühlvollen Worten des Bedauerns und freuen sich, wenn man sie als offizielle Gäste in Prag, Brünn oder sonstwo hofiert. Sogar ihr Pfingstreffen, das vor einigen Jahren noch bitterböse Kommentare tschechischer Politiker ausgelöst hatte, könnten sie in Tschechien abhalten.
ALLES WIRD ALSO GUT, wenn die „Störenfriede" nicht viel zu sagen haben. Man beschenkt einander mit Worthülsen voller Nettigkeiten, beschwört die historische, nur durch ein kleines Vertreibungsdetail der Geschichte getrübte Verbundenheit - und alle haben sich lieb. Was will man eigentlich mehr? Ist das nicht schon viel mehr als vor ein paar Jahren überhaupt erreichbar schien? Was soll schlecht sein an freundschaftlichen Beziehungen zwischen einstigen Erzfeinden?
JA, ES IST GUT, daß sich das sudetendeutsch-tschechische Klima dermaßen entspannt hat. Und es ist ein Verdienst, das niemand Bernd Posselt streitig machen wird können.
DOCH ES MUSS auch gestattet sein, über den Preis dieses Klimawandels zu reden und ihn für überhöht zu halten. Denn die freundliche Atmosphäre, die unbestritten entstanden ist, wurde um den Preis der Verleugnung vieler Positionen erkauft, welche die Sudetendeutschen und ihre Landsmannschaft Jahrzehnte hindurch unbeirrt vertreten haben, weil sie davon überzeugt waren, daß es rechtmäßige und unveräußerliche Positionen sind. Viele Sudetendeutsche sind noch immer davon überzeugt, daß sich der wahre Wert der freundlichen Worte erst an den Taten ermessen läßt, die ihnen folgen. Bislang warten wir freilich auf solche Taten. Und da reden wir noch gar nicht von der Restitution, welche manche, aber eben nicht alle, von der Agenda der Landsmannschaft streichen wollen. Es geht um die logische Konsequenz aus dem Bedauern und Betrauern der Opfer des Kollektivschuldprinzips. Der tschechische Staat müßte sich endlich dazu durchringen, diese Menschen zu rehabilitieren. Und das wiederum geht nur. indem jene Benes-Dekrete, die die Sudetendeutschen (und Magyaren) betreffen, in aller Form mit einem vom Parlament beschlossenen Rechtsakt aufgehoben und nicht bloß von Juristen oder Politikern unverbindlich für unwirksam oder er-loschen erklärt werden.
ANSTATT ÜBER DIE - noch gar nicht rechtsgültige - Satzungsänderung der SL zu jubeln, sollten sich tschechische Politiker den Kopf darüber zerbrechen, wie sie durch konkrete Taten den Kritikern ihres Versöhnungspartners Posselt Wind aus den Segeln nehmen.

Dieser Kommentar von Manfred Maurer erschien in der Sudetenpost Folge 7 vom 2.Juli 2015.
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